Genussschein

Genussscheine dienen der Mezzanin-Kapitalbeschaffung von Unternehmen. Da es sich hierbei um ein recht komplexes Finanzinstrument mit vielen Möglichkeiten zur Ausgestaltung handelt, fällt es vielen Anleger*innen und Interessent*innen häufig schwer, dieses Finanzinstrument zu verstehen. Im Folgenden werden alle wichtigen Fragen zum Genussschein beantwortet.

Was ist ein Genussschein?

Der Genussschein verbrieft den Inhaber*innen ein sogenanntes Genussrecht. Dies kann z. B. ein Anrecht auf Gewinnbeteiligung sein. Genussscheine haben die gleiche Eigenschaft wie Schuldverschreibungen. Dabei muss die geleistete Einlage zum Nennwert, in der Regel zu einem festen Termin, zurückbezahlt werden.

Inhaber*innen dieser Genussscheine erhalten, anders als Aktionär*innen, keine Stimmrechte. Jedoch stehen ihnen Vermögens- und Gläubigerrechte zu. Unternehmen können sich mit dieser Methode Kapital leihen ohne die Anleger*innen direkt am Unternehmen beteiligen zu müssen.

Genussscheine lassen sich zwischen Aktien und Anleihen einordnen, da sie Eigenschaften dieser beider Finanzinstrumente aufweisen. Darunter fällt der Anspruch auf Verzinsung sowie auf Rückzahlung des Kapitals zum Ende der vereinbarten Laufzeit, wie es bei Anleihen der Fall ist. So ist auch die Höhe der Rendite, ähnlich wie bei Aktien, abhängig von der Gewinnentwicklung des Unternehmens.

Wie werden Genussscheine gehandelt?

Der Erwerb von Genussscheinen erfolgt entweder direkt über den Emittenten oder über eine Handelsplattform. Die Genussscheine werden als Inhaber- auch als Namenspapiere ausgegeben. Um den Verkauf zu erleichtern, werden Genussscheine meist als Inhaberpapiere ausgegeben. Der Verkauf erfolgt sowohl an der Börse als auch außerbörslich. Genussscheine können, soweit es die Ausstattungsmerkmale vorsehen, mit einem Kündigungsrecht oder einem Rückgabeanspruch versehen sein. Ist dies der Fall, können Anleger*innen die Genussscheine schon vor Ende der Laufzeit an den Emittenten zurückgeben.

Wie besteuert man Gewinne durch Genussscheine?

Erwirtschaftete Gewinnbeteiligungen unterliegen in Deutschland, wie bei Aktiengewinnen, der Abgeltungssteuer. Hierbei fällt eine Besteuerung von 25 % an. In manchen Fällen kommt die Entrichtung der Kirchensteuer noch hinzu.

Welche Vorteile bietet der Genussschein?

Da Anleger*innen direkt am Unternehmerrisiko teilhaben, ergeben sich oft hohe Renditen. Diese fallen in der Regel höher aus als z.B. bei Anleihen. Die Vorteile dieser Form der Gewinnbeteiligung sind oft stark abhängig von der Ausgestaltung der einzelnen Wertpapiere.

Konkret bieten sich folgende Vorteile für die Anleger*innen:

  • Partizipation an Kursgewinnen
  • Rückzahlungsansprüche
  • Anspruch auf Nachzahlung
  • Ausschüttungen
  • Kündigungsrecht

Welche Risiken gibt es?

Generell gilt: Je höher die Renditen, desto höher auch das Risiko. Das Risiko ist von der jeweiligen Ausgestaltungen des Genussscheins abhängig.

Folgende Risiken können auftreten:

  • Insolvenzrisiko und Nachrangigkeit
    Bei Insolvenz des Emittenten werden Genussscheine, trotz Anrecht auf Rückzahlung, nachrangig behandelt. Zuerst bedient die Insolvenzverwaltung die Ansprüche der Gläubiger, bevor Anleger*innen an der Reihe sind. Es besteht das Risiko des Totalausfalls.
  • Bonitätsrisiko
    Sollte die Bonität des Emittenten sinken, besteht das Risiko einer Insolvenz oder eines Totalausfalls, wodurch die Nachfrage und der Kurs des Genussscheins sinkt.
  • Liquiditätsrisiko
    Aufgrund von geringerer Emissionsvolumen von Genussscheinen, kann ein erhöhtes Risiko entstehen, beim Verkauf keinen fairen Preis zu erzielen. Schuld daran ist die geringere Marktliquidität aufgrund der geringen Stückzahl.
  • Ausschüttungsrisiko
    Sollten Emittenten Verluste machen, kann die Ausschüttung ausgesetzt werden. Meist wird jedoch eine Vereinbarung zu Nachzahlungen getroffen.
  • Marktrisiko
    Bei langer Laufzeit kann es zu Schwankungen des Zinsniveaus kommen. Steigt das Niveau, sinken die Kurse der Genussscheine, da die zugrunde liegende Verzinsung im Vergleich zum Marktdurchschnitt weniger attraktiv erscheint.

Fazit

Genussscheine können eine gute Investitionsmöglichkeit für Privatanleger*innen darstellen. Es kommt jedoch auf die konkreten Ausgestaltungen an. Anleger*innen sollten vor einer Investition auf folgende Punkte achten:

  1. Wie steht es um die Bonität des Emittenten?
  2. Wie ist der Genussschein gestaltet? Ergo: Wie werden Gewinne ausgeschüttet und wie ist die vereinbarte Laufzeit?
  3. Wo ist der Genussschein handelbar und wie groß ist das Volumen?

 

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